Irankrieg: Mehr Argumente sprechen für Wärmepumpen
Wer aktuell als Käufer, Vermieter oder Hausbesitzer eine neue Heizung einbauen will, steht vor einer schwierigen Wahl. Einerseits ist die Bundesregierung von ihren Plänen abgerückt, pauschal den Einbau von Gaskesseln zu verbieten. Andererseits zeigt der kriegerische Konflikt im Nahen Osten und die damit steigenden Kosten für Öl, Gas und Benzin, wie abhängig Deutschland vom Import fossiler Brennstoffe ist. Denn ist die Lieferkette gestört, gehen die Preise hoch. Das merkte man schnell an den Tankstellen, aber mit etwas Verzögerung auch bei den Gas- und Heizöl-Kosten.
Dies bedeutet, dass man mit der Wahl einer strombetriebenen Wärmepumpe nicht nur CO2, sondern auch Geld sparen kann.
Das macht eine Beispielrechnung deutlich. Vor dem Irankrieg kostete Gas pro Kilowattstunde circa 8 Cent. Damit lag der Preis für eine vierköpfige Familie mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden bei jährlich circa 1.600 Euro. Künftig könnte der Gaspreis auf zwölf bis 14 Cent steigen. In diesem Szenario würde sich der Preis auf jährlich circa 2.800 Euro erhöhen.
Zwar ist bekanntlich der Strom- an den Gaspreis gekoppelt, aber dennoch könnte es in der aktuellen Situation für viele wechselwillige Eigentümer sinnvoll sein, eine Wärmepumpe zu wählen. Das gilt insbesondere für Gebäude aus den 1990er und den Nullerjahren dieses Jahrtausends. Die Gebäude sind in der Regel gut gedämmt und es sind für einen Wechsel zu einer Wärmepumpe nur wenige bauliche Änderungen nötig: „Oft reicht es aus, in einigen Räumen größere Heizkörper einzubauen, weil die erzielbare Durchlauf- und damit die Heiztemperatur bei Wärmepumpen etwas niedriger ist als bei Gasthermen“, erläutert Stefan Pásztor. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Firma Xcorp Immobilien in Essen und Vorsitzender des Ring Deutscher Makler (RDM), Bezirksverband Essen.
Jahresarbeitszahl ist zu beachten
Bei einem Kostenvergleich zwischen Gas- und Stromheizung muss die unterschiedliche Energieeffizienz beachtet werden. Während eine Gasheizung aus einer Kilowattstunde eine Kilowattstunde Wärme erzeugt, gelingt es mit einer Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde im Schnitt drei bis vier Kilowattstunden Wärme zu generieren. Sie hat also eine sogenannte Jahresarbeitszahl von drei bis vier. Um den Stromverbrauch zu berechnen muss man demnach die 20.000 Kilowattstunden entsprechend durch diese Arbeitszahl teilen. Legt man den Faktor 3,5 an, erhält man 5.800 Kilowattstunden, die die Wärmepumpe benötigen würde, um die vier Wände adäquat zu beheizen. Bei einem Strompreis von 25 Cent pro Kilowattstunde würden sich die Heizkosten auf circa 1.450 Euro belaufen. Mit einer PV-Anlage auf dem Dach und damit erzielten Eigenstrom lässt sich der Anteil des zugekauften Stroms reduzieren.
Relevant sind natürlich die Anschaffungskosten, die pauschal nicht ganz so einfach zu berechnen sind, weil sie abhängig sind von der Wohnungsgröße, der vorhandenen Technik und der Energieeffizienz des Gebäudes.
Aktuell werden Wärmepumpen bis maximal 70 Prozent gefördert; bei den meisten Haushalten liegt die Förderhöhe bei ungefähr 55 Prozent. Die Installation kostet etwa 40.000 Euro. Die geförderte Höchstgrenze liegt bei 30.000 Euro, so dass der Staat etwa 16.500 Euro zuschießt und der Eigenanteil bei 23.500 Euro liegt. Das sind ungefähr 10.000 Euro mehr als der Einbau eines neuen Gaskessels kosten würde.
Nach einer Betriebsdauer von 15 Jahren und mit 1.500 Euro anstatt 3.000 Euro Kosten für den Betrieb würde der Immobilieneigentümer – grob gerechnet – über 12.000 Euro sparen. Und seine CO2-Bilanz wäre ebenfalls eine bessere: 2025 belief sich der Anteil an Ökostrom auf circa 60 Prozent.